„Wer sind Sie denn?“
„Erkennst du mich denn nicht?“
„Mutter?“
„Ja, mein Junge, ich bin es.“
„Was zum Teufel willst du hier?“
„Dich sehen … nach so langer Zeit.“
„Woher weißt du, dass ich hier bin?“
„Ich wurde angerufen.“
„Sie haben dich angerufen? Ausgerechnet dich?“
„Du hast doch sonst niemanden mehr.“
„Das darf nicht wahr sein, was denken die sich eigentlich!“
„Sie wollten wohl jemanden, dem du vertraust.“
„Vertraust … was soll die Scheiße? Es gibt niemanden auf der Welt, dem ich weniger vertraue als dir.“
„Urteile nicht so hart über mich, mein Junge.“
„Nenn‘ mich nicht mein Junge, verdammt noch mal!“
„Schrei nicht so … die Leute da drüben sind schon total verängstigt.“
„Seit wann interessierst du dich für andere Menschen? Du hast dich damals doch auch nicht um mich und Karl geschert.“
„Dein Bruder war krank.“
„Krank … glaubst du das wirklich?“
„Warum hätte er sich sonst so etwas angetan?“
„Tu nicht so, als wüsstest du nicht, was unser Vater und diese Männer mit ihm gemacht haben.“
„Glaubst du vielleicht, er hat mich gut behandelt?“
„Warum bist du dann bei ihm geblieben? Wieso hast du dich nicht scheiden lassen und uns mitgenommen?“
„So einfach war das nicht.“
„Aber es war einfach genug für euch, die trauernden Eltern zu spielen? Und allen vorzumachen, es wäre ein Unfall gewesen.“
„Fuchtel nicht mit der Waffe vor meinem Gesicht herum, du machst mir Angst.“
„Sag‘ mir nicht, was ich tun soll … antworte mir endlich … was willst du hier?“
„Sie haben mir gesagt, ich soll mit dir reden und …“
„Ich will nicht reden. Ich will, dass sie meine Forderungen erfüllen, sonst werde ich einen von denen …“
„Es war nicht deine Schuld, dass du auf die schiefe Bahn gekommen bist. Erinnere dich doch an deinen großen Erfolg. Du hattest so viele Follower. Ja, auch ich habe deinen Aufstieg im Internet verfolgt und war so stolz auf dich. Du hattest es geschafft. Ganz nach oben. Bis die Neider es auf dich abgesehen hatten. Die kennen doch keine Grenzen mehr. Mit dem Shitstorm bist du nicht klargekommen und schließlich abgestürzt. Ich habe denen da draußen gesagt, du bist kein schlechter Mensch.“
„Ach, hör doch auf! Ich bin genau der Mensch, den ihr aus mir gemacht habt … du und Vater. Willst du einen Beweis? Soll ich ihnen einen Beweis liefern, dass ich es ernst meine? Sieh her!“
„Bleib hier … rede weiter mit mir. Nicht! Richte nicht die Waffe auf den Mann … er ist unschuldig!“
„Unschuldig … etwa so unschuldig wie Karl?
„Es war kein Unfall!“
„Was?“
„Das mit Karl … es war kein Unfall.“
„Natürlich nicht … er hat sich selbst … weil er es nicht mehr ausgehalten hat.“
„Ich war es.“
„Was soll das heißen?“
„Komm wieder her zu mir … gut so … lass die Leute in Ruhe.“
„Rede schon … was bist du gewesen?“
„Die Antwort wird dir nicht gefallen. Ich habe deinen Bruder getötet.“
„Du? … Sag‘, dass das nicht wahr ist!“
„Nimm die Waffe von meinem Kopf weg … du tust mir weh.“
„Ach ja? … Wie fühlt sich das an, wenn ich noch fester drücke? … Sag mir die Wahrheit!“
„Ich habe Karl getötet.“
„Warum um alles in der Welt hast du das getan?“
„Weil ich ihn so sehr geliebt habe.“
„Was redest du da? Karl hat es nicht mehr ertragen …“
„Deshalb habe ich es getan. Ich habe ihn erlöst.“
„Erlöst? … Und was ist mit mir? Nachdem Karl weg war …“
„Du bist der Erstgeborene … der Ältere … ich dachte, du bist stark genug … stärker als Karl …“
„Du feiges, verlogenes Miststück … du hast mich und meinen Bruder diesen Monstern überlassen und unser Leben zerstört. Dafür wirst du brennen.“
„Ich weiß … in der Hölle. Ich habe das alles nicht gewollt, aber wenn es so sein soll, dann bring du es zu Ende … hier und jetzt … ich habe es verdient. Du sollst nur wissen, wie leid es …“
„Bist du nun zufrieden? Du hast es hinter dir. Du wolltest in die Hölle und lässt mich wieder alleine … wie damals.
Aber wir sehen uns, Mutter.
Bis gleich.“


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