Kleine, weiche Finger umfassen mein Handgelenk. Sie sind etwas klebrig und eiskalt.
"Jetzt nicht, ich muss arbeiten!" fauche ich den süßen kleinen Mann neben mir an. Seine großen Kulleraugen schauen mich aus dem perfekten Gesicht an. Generell sind bei den Kindern hier keine äußerlichen Mängel festzustellen. Keine Falten, oder Flecken in den Kleidern, keine rotzige Nase und keine strubbeligen Haare. Dass der kleine Kerl klebrige Hände hat, wundert mich sehr und ich gebe sofort an seinen Roboter einen Befehl aus.

Es tut mir leid für die Kleinen, aber es ist mein Job und den sollte ich ernst nehmen, bevor auch ich als letzte Pädagogin meinen Job hier verliere. Also sitze ich täglich vor meinen Bildschirmen, fühle mich wie ein Wächter im Gefängnis, passe aber eigentlich auf 60 Kleinkinder und mindestens genauso viele Maschinen und Roboter auf.
Der kleine Kerl vor mir sollte gerade mit seinem Roboter lernen, wie man eine Schleife bindet. Manchmal langweilt er sich und besucht mich dann hier in meinem Büro. Eigentlich ist das Verbot, aber zu dem kleinen hab ich eine persönliche Beziehung aufgebaut. Schon an seinem ersten Tag hier entstand eine Bindung zwischen uns. Mittlerweile ist er schon seit drei Jahren hier und wird bald in die Schule entlassen.
Was er hier lernt, kann er schon seit einigen Monaten, aber er hat das Einstiegsalter noch nicht erreicht. Alles ist strengstens geregelt. Also muss er noch länger hier verweilen.

Jeden Tag werden die Kinder von ihrem persönlichen Roboter betreut. Natürlich immer zu zweit, damit die menschliche Bindung nicht verloren geht.
Für den Toilettengang ist der Kloroboter zuständig, der darauf achtet, dass die Kinder sich auf die Kloschüssel setzen und das Töpfchen treffen.
Über Dinge, wie den Datenschutz, sollte man sich hier keine Gedanken machen. Das Internet hat mittlerweile sowieso schon die Kontrolle über uns Menschen gewonnen.
Das Essen wird von dem Küchenroboter KINGX7 zubereitet und über Fließbänder ausgeteilt.
Auch das Putzen, Waschen und Aufräumen übernehmen hier die Maschinen.

Die einzig "vernünftige" Person hier bin ich vor meinen Bildschirmen. Jedoch kann man das auch nicht mehr vernünftig nennen, wenn man jeden Tag von perfekten Kindern umgeben ist, die von makelfreien Robotern erzogen werden.

Alle ersetzt durch Maschinen.

Sie sind effizienter, haben Sie gesagt.
Sie sparen Zeit, haben sie gesagt.
Sie vermitteln Disziplin.

Aber wer schenkt den Kindern Liebe?


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